MandysNotizBlog

Arterien – Die Kraftprotze unter den Gefäßen (Teil II)

Ihnen kommen sehr wichtige Aufgaben zu Teil: der Transport von sauerstoff– und nährstoffreichem Blut zur Versorgung des Körpers. Einzige Ausnahme: die Arterien des Lungenkreislaufes, die sauerstoffarmes Blut beinhalten und vom Herzen zur Lunge führen.
Irgendjemand muss ja immer aus der Reihe tanzen.

Arterien bestehen aus drei Schichten. Die Dreischichtung ist relativ einfach: außen (Externa), dazwischen (Media), innen (Intima). Das Besondere ist die Media. Hier gibt es Arterien mit einer elastischen und einer muskulösen Media. Der Grund ergibt sich aus ihrer Funktion:

Die elastischen Arterien sind herznah gelegen. Elastizität bedeutet in diesem Fall, dass das Gefäß nach einer Verformung wieder in ihren Ausgangszustand zurückkehrt. Die Aorta ist das größte arterielle Gefäß, das wir haben – und herznah. Wenn sie das Blut aus dem Herzen aufnimmt, entsteht eine Druckwelle (Pulswelle), der sie sich anpasst. Super wichtig, denn das Herz stößt ja nicht kontinuierlich Blut aus. Die elastischen Fasern sorgen also dafür, dass in der Phase, in der kein Blut ausgeworfen wird, der Blutstrom trotzdem gleichmäßig bleibt, indem sie sich entsprechend dem Volumen anpasst und sie kontinuierlich weiterleitet.

Werden wir älter, werden die elastischen Fasern nach und nach durch Bindegewebe ersetzt. Die Elastizität geht verloren. Folge: das Herz muss mehr Arbeiten, um Blutfluss und Flusseigenschaften zu gewährleisten – da würd ich auch irgendwann schlapp machen. Durch schlechte Ernährung, Rauchen, Bluthochdruck und wenig Sport, beschleunigen wir den Umbau der Arterien. Es ist nachgewiesen, dass Sport durch den höheren Puls die Gefäße dehnt und dies chemische Prozesse in Gang setzt, die dafür sorgen, dass die Zellen in der Gefäßwand elastisch bleiben, kaputte Zellen aber auch repariert werden. Also bringt eurer Blut mit Sport zum ‚Kochen‘.

Die Arterien mit einer muskulösen Media können sich weiten und zusammenziehen. Sie sorgen dafür, dass wir morgens beim Aufstehen nicht einfach umfallen. Sie regulieren den Blutdruck und das durch einen ziemlich abgefahrenen Mechanismus:

Was passiert, wenn wir morgens Aufstehen, außer, dass wir keinen Bock auf Arbeit haben?
Wir sind aus einer liegenden Position in den Stand gewechselt. Theoretisch müsste nun das Blut von oben nach unten stürzen – hallo Schwerkraft. Und das passiert auch, ungefähr 400ml Blut rutschen in die Beine. Das sind 400ml, die dem Herzen auf einmal zum Schlagen fehlen – der Blutdruck fällt – nun müsste uns eigentlich schwarz vor Augen werden. Aber es gibt ein paar clevere Gegenregulationen: Rezeptoren haben die Veränderung im Gefäßsystem registriert und lassen das Herz schneller (Schlagfrequenterhöhung) und kräftiger schlagen, die muskulösen Arterien ziehen sich eng zusammen, die Venen (in den das Blut versackt) ebenso und so wird letztendlich der Blutdruck erhöht, so dass das Blut, welches zu versacken droht, nicht ganz so tief fällt und wieder zum Herz zurück gebracht wird.

Bei Menschen mit einem eh schon niedrigen Blutdruck oder älteren Menschen, deren Gegenregulation nicht mehr ganz so gut funktioniert, kommt das Schwarz-vor-Augen gehäuft vor. Hier hilft es, wenn man vor dem Aufstehen schon dafür sorgt, dass der Blutdruck etwas steigt, indem man ein paar Bein- und Fußübungen macht: Strecken, Zehen Richtung Kopf ziehen und das immer schön wiederholen. Ansonsten ab zum Arzt.

Krimi-Fans aufgepasst! Für alle anderen, die kein Blut lesen können, heißt es hier STOPP, denn wir klären, was wirklich bei einem Kehlschnitt passiert.
Ich liebe Krimis. Die Momente, wenn der Tatort das erste Mal beschrieben wird, wenn die Autopsie beginnt, die ersten Polizisten umfallen – bin ich in meinem Element.
„Schaurig-schöne Schlängellinien arteriellen Blutes an vergilbter Blümchentapete skizzierten den nur sekundenwährenden Überlebenskampf des Opfers.“ So oder ähnlich würde es in meinem Krimi aussehen.

Doch was wird da wirklich durchgetrennt?
Es kommt drauf an: ist der Schnitt oberflächlich, erwischt man ’nur‘ die Halsvenen. Nicht minder blutig, aber nicht arteriell-spitzend, eher schwallartig. Erwischt man bei einem tiefen Schnitt die Halsschlagader, unter hohem Druck stehend, spritzt es, dem Puls rhythmisch folgend, arteriell. In so einer panischen Situation mit hohem Blutdruck vermutlich auch ziemlich weit und feintröpfig. Gleichzeitig erwischt man die Luftröhre, ein Schrei dadurch unmöglich, das venöse Blut wird eingeatmet und reflexartig hustend wieder hinaus befördert. Einerseits Ertrinken, andererseits Verbluten.

Durch diese medizinische Herangehensweise kann ich mich oft von der Gräuel der eigentlich Tat distanzieren. Denn ich bin ein Hasenfuß, aber das muss ja niemand wissen.

Das nächste Mal: Venen – die relaxten Homies. Sowie das Krampfaderleiden.

Bis dahin . . . nicht den Kopf verlieren. Eure Mandy

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