MandysNotizBlog

Das Schuh-Dilemma geht weiter!

Es gibt derzeit wieder viel, worüber sich mein Gemüt und Körper aufregt.
‚Kaufen Sie sich mal vernünftige Arbeitsschuhe. Sie werden hier doch bezahlt!‘ – Chefarzt, gestern zu mir.
Da einen kühlen Kopf zu bewahren, ist ziemlich schwer – daran könnten aber auch die Temperaturen schuld sein. Mein Herz lässt sich da auch immer gern mit anstecken, schlägt dann ungefragt schneller und auch die Lunge nimmt das als Anlass und beginnt zu Schnauben.
Zuletzt über meinen Lohnzettel (nett, dass der Chef das anspricht). Da man sich aber in Deutschland darüber ausschweigt, laufen also Ende des Monats vermutlich über 50% der Deutschen schnaubend und mit erhitzen Köpfen durch die Gegend.

In Schweden gibt es eine entspannte Gehälter-Transparenz. Sehen was der Chef verdient? Kein Problem, ein Anruf und man weiß es. Ob er es verdient, ist etwas anderes.
Da ich aber weder den Stress in mich hinein fressen will (macht nachweislich Magengeschwüre und Übergewicht und DAS braucht kein Mensch), noch dem Chef aufs Brot schmieren kann, lass ich mich hier ein bisschen aus.
Jetzt machen sich die wenigstens Leute Gedanken über Studentengehälter. Voll okay. Während ich fortwährend mit dem Gedanken spiele, mich neben dem Studium zu Prostituieren, weil der Nebenjob als Krankenschwester einfach wenig abschmeißt (für die Miete reicht’s und Essen ist auch noch drin) entspannten sich dann doch meine Gesichtszüge, als ich erfuhr, dass man im PJ, dem Praktischen Jahr – letzter Abschnitt des Studiums – eine kleine Aufwandsentschädigung bekommt.
Am ersten Tag dann der Nackenschlag: ‚Liebe Mandy, wir schätzen Ihre Arbeit als Student so sehr, dass wir es bezahlen. Was? Arbeit am Wochenende? Nebenjob? Dann können wir Ihnen aber nicht das komplette PJ-Gehalt auszahlen. Doch, doch. Sie bekommen ungefähr 45% davon. Das reicht nicht für die Miete? Warten Sie, ich geh gerade auf den Balkon und klatsche ein bisschen für Sie.‘

Meine Turnschuhe, so fleckig sie aussehen (nicht so schlimm, wie der Chef sagt) erzählen Geschichten. Erst waren sie Laufschuhe, dann Schwesterntreter, dann PJ-Botten (das Innere einer Waschmaschine haben sie auch mal gesehen). Sie haben Ecken und Räume in Krankenhäusern gesehen, die niemand sehen will und haben meine Füße viele Jahre und Monate ausgehalten. Ich blicke mit geschwollener Brust auf ein bis dato schon arbeitsreiches kurzes Leben zurück.
Ich weiß, in anderen Ländern ist es viel schwerer. Einen Semesterbeitrag muss man trotzdem, auch hier in Deutschland, bezahlen. Und auch meine Vermieterin akzeptiert leider kein‘ Klatschen‘ als offizielle Währung. Wie aber mein vorheriger Vermieter simple erklärte, als er uns die 2-Raum-Wohnung für 350 Tausend Euro verkaufen wollte (ein Spottpreis für Frankfurt und Umgebung): Es gibt ja immer jemanden mit Geld in der Familie. Ich lache immer noch.

Nicht wenige Studenten rutschen bereits während ihres Studiums in die Abhängigkeit: ob es Wachmacher zum Länger-Lernen oder Alkohol zum Feiern und Betäuben sind. Bei mir war es, zum Glück, nur Schokolade und Kekse. Wir sprechen uns dann in 20 Jahren, wenn sich die ersten Herzinfarkt-Symptome melden.
Aber hey, ich bekomme Mittagessen umsonst. Und so produziere ich während einer Schicht mehr Liter Schweiß, als in Eritrea im Jahr an Regen fällt, bekomme kein Mittagessen, weil die Cafeteria nur bis 14 Uhr auf hat (sorry, der neue Patient muss noch aufgenommen werden) und begnüge mich mit einer Schicht, in der ich fast 10 Stunden arbeite, aber nur 6,80€ am Tag bekomme.
Wie ich auch schon in der Schwesternausbildung lernte: Lehrjahre sind auf gar keinen Fall, nie, niemals nie, Herrenjahre.
Klar gibt es Studenten, denen es Dank der Eltern gut geht. Es gibt aber auch die anderen, die später mit dem Studium beginnen, vielleicht noch Kinder haben und/oder allein erziehend sind, nebenher Arbeiten müssen…. das Leben als Student ist nicht immer leicht, auch in Deutschland nicht.
Eine Lernplattform für Medizinstudenten heißt passenderweise Amboss. Steht er für das Gewicht der Lernlektüre während des Studiums? Für die Last, die man danach auf den Schultern balanciert? Oder einfach nur für das Gewicht der Scheiße, die die Hierarchieleiter herunter kleckert? Keine Ahnung. Also schlucke ich meinen Ärger runter (0 Punkte), wünsche dem Chef ein bisschen Herpes an Stellen, an denen die Sonne nie scheint und arbeite weiter. Denn Schuhe sagen keinesfalls etwas über Arbeitsmoral aus.
Viele von uns haben blöde Arbeitsbedingungen, aber was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Oder? Euch einen herrlichen Wochenendeinstieg. Ich wechsle dann mal vom PJ – in den Schwesternmodus.

Bleibt gesund…. eure Mandy

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