MandysNotizBlog

Achtung, fettisch!

Das Fettgewebe mit seiner kleinsten Untereinheit, dem Adipozyten, hat bei vielen einen schlechten Ruf. Wir alle wollen sie dezimieren, am liebsten auslöschen – egal wie. Und das, obwohl ihre ursprüngliche Funktion wichtig ist (darüber hatten wir bereits ins Teil I ‚Fettige Angelegenheiten‘ gesprochen).

Heilige Fettreserven

Um den Tag gut zu überstehen und zu meistern, brauchen wir Energie. Neben Glucose, einem sehr schnellen Energielieferanten, und Eiweißen, nehmen wir auch Energie über Fette auf.

Die Energieaufnahme über die Nahrungsmittel ist schnell, aber eher ungenau. Der Auf- und Abbau der Fettreserven ist regulatorisch langsam und genau. Diese unterschiedliche Regulation ergibt auch Sinn, denn schließlich hat die eiserne Fettreserve vor vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden über Leben und Tod entschieden.

Mandy auf Toast

Deshalb ist unser Körper sehr daran interessiert Fettreserven auszubauen und zu behalten.
Wenn wir essen ist dies oft zu zucker- und zu fettreich. Ein Teil des Zuckers, im Körper umgewandelt zu Glucose, wird sofort zur Energiegewinnung benutzt um den ‚Motor‘ am Laufen zu halten (ATP). Weiter wird Glucose (in Form von Glykogen) in Muskeln und Leber für schlechte Zeiten gespeichert – wenn es mal schnell benötigt wird.
Ist noch Glucose übrig, wird sie zu einem Baustein verstoffwechselt, der in der Fettsäuresynthese benötigt wird. Man kann also salopp sagen, dass Zucker aus der Nahrung im Körper zu Fett(säuren) umgewandelt wird.

Fettsäuren sind super wichtiger Energielieferanten z.B.: für den Herzmuskel.
Die, die aber nicht als Energielieferanten benötigt werden, können in die Fettzellen aufgenommen und dort der Bildung zu Speicherfett dienen. Direkt auf Hüfte, Popo, Bauch, Oberschenkel. Ein Freudenfest für den Körper – viel Fett bedeutet Überleben in einer nahrungskargen Zeit. Der Gang in den Supermarkt zeigt, dass es diese aber nicht mehr gibt.

Kurz und knapp:

  1. Nahrungsmittelfett → Aufspaltung zu Fettsäuren → Transport zu Fettzellen → Umwandlung zu Triglyceriden → Speicherung im Fettdepot
  2. überschüssige Glucose → Umwandlung zu Fettsäuren → Transport zu Fettzellen → Umwandlung zu Triglyceriden → Speicherung im Fettdepot

Der Adipozyt (Fettgewebszelle) . . .

. . . selbst entsteht durch viele verschmolzene Triglyceride. Triglyceride sind die Speicherform des Fettes und buchstäblich die eiserne Energiereserve. Man könnte sagen, viele einzelne Fetttropfen tun sich zu einem Großen zusammen. Wenn die Aufspaltung beginnt, werden also einzelne Fetttropfen aus den Adipozyten gelöst.

Fettpolster schmelzen – aber erst wird andere Energie genutzt

Klar ist, dass wenn der Körper Energie braucht, gibt es mehrere Möglichkeiten für die Energiegewinnung – und diese laufen alle parallel ab. Sie sind aber abhängig von Intensität und Dauer der Belastung.

Absolvieren wir gerade ein kurzes, straffes Sportprogramm und schwitzen wie die Schweinchen, wird erstmal bereits gewonnen Energie aus der Nahrung genutzt: schnell, aber ungenau – der Körper braucht schnell Energie und nimmt sich einfach ALLES an Kalorien, was wir aktuell zu uns genommen haben.
Wer geht schon gleich an seine gut eingelagerten Reserven, nur weil er schnell was braucht? Dem Körper sind diese Fettpolster heilig, denn die Energiegewinnung aus Fett übersteigt die der Eiweiße und Kohlenhydrate um das Doppelte.

Merke: kurze, straffe Fitnessprogramme nutzen schnell verfügbare Energie und die Reserven aus Leber und Muskeln. Die Fettpolster bleiben nur wenig genutzt.

Jetzt ernähren wir uns alle bewusst und unser Sportprogramm hat eine längere Dauer (über 25 Minuten) und ist weniger intensiv.
Unser Körper hat die Energie aus der Nahrung und den Reserven (aus Leber und Muskeln) genutzt und benötigt nun mehr. Es beginnt das Wunder der Lipolyse – die Fettspaltung. Unsere im Adipozyt gespeicherten Triglyceride werden von Hormonen geweckt. Die hat der Körper los geschickt, als er merkte, dass er durch die Nahrung nicht genug Energie gewinnen konnte. Diese Hormone kann mal als Hilfesignale verstehen. (‚Hilfe, ich brauche Energie‘)

Den aufwendigen Kreislauf der Lipolyse, mit seinen unaussprechlichen Enzymen erspare ich euch, denn hier würden wir wieder knietief in der Biochemie stecken. Und wer will das schon freiwillig? (würg)

Am Ende der Lipolyse stehen wieder die Fettsäuren (und das Glycerin) – die Bausteine des Triglycerids. Die Aufspaltung muss wieder stattfinden, da wir nach wie vor das Problem der Wasserunlöslichkeit haben. In dieser Form können wir aber nun die Fettsäuren an Eiweiße knüpfen, an das Blut abgeben und zu dem Gewebe bringen, das es braucht (bei uns gerade den Muskel, denn wir sporteln ja). Dort werden die Fettsäuren in die Zelle geschleust und dann aufwendig in mehreren Kreisläufen zu Energie umgewandelt – dem ATP – erstmals in Teil I ‚Wasser marsch!‘ erwähnt. Der Kreis schließt sich. Episch, oder?

Kurz und Knapp: Speicherung im Fettdepot → Hilferuf des Körpers nach Energie → Triglyceridaufspaltung → Entstehung Fettsäuren → ins Blut → zur Energiegewinnung ins Gewebe

Tipp (falls es im Text noch nicht deutlich wurde): Kurze, intensive Sporteinheiten gehen hauptsächlich an vorhandene Energie in der Zelle und die Reserven in Leber und Muskel – die Fettreserven bleiben wenig genutzt. An die geht der Körper bei längeren, wenig intensiven Aktivitäten. Wobei eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining sich am besten bewährt hat.

Trommelwirbel! Verschwinden Adipozyten nun oder was?

Und nun kommt das, worüber sich Gott und die Welt streitet und niemand weiß es 100%ig: Löst sich der Adipozyt bei Abnahme auf oder bleibt er? Ich kann euch so viel sagen, dass es aktuell immer noch untersucht wird.

Eine Studie von 2008, die ich gefunden habe und deren Aussagekraft ich ganz gut finde: Diese beschreibt im Kurzen, dass die Anzahl der Adipozyten in der Kindheit und Jugend festgelegt wird. Und dort in der Lage sind sich zu teilen, das bedeutet Vervielfältigung (Hyperplasie), ihre Anzahl verändert sich.

Haben wir dann das Erwachsenenalter erreicht, sind sie nicht mehr in der Lage sich zu vervielfältigen, sondern nur noch zu wachsen (Hypertrophie) oder zu schrumpfen (Hypotrophie). Bedeutet, dass selbst eine Abnahme, nicht zum Verschwinden der Adipozyten führt. Bin ich als Kind schon etwas dicker, hab ich es im Erwachsenenalter schwerer schlank zu werden, denn ich habe mehr Adipozyten als jemand, der in seiner Kindheit normalgewichtig war.

Trotz allem findet im Erwachsenalter ein Sterben und Erneuern der Fettzellen statt – die Zahl bleibt aber konstant – eine sehr strenge Regulation – langsam und genau, wie am Anfang erwähnt. Damit gleichen sich Studie und medizinischen Fachliteratur. Warten wir ab, was die Wissenschaft in den nächsten Jahren noch heraus findet und widerlegt.

Fazit

Man sollte mehr Energie verbrauchen, als man mit Nahrung zu sich nimmt. Dann klappt eine Abnahme auch langfristig.
Das ergibt sich aus dem Grundumsatz. Der gibt an, wie viele Kalorien man im absoluten Ruhezustand benötigt. Er variiert nach Alter, Größe, Geschlecht, Gewicht, Stresslevel, Muskelmasse und dem eigenen Stoffwechsel.
Macht man Sport, geht spazieren etc. (Arbeiten gehört nicht dazu) erhöht man seinen Energiebedarf – Leistungsumsatz genannt. Grund- und Leistungsumsatz ergeben den Gesamtumsatz.
Den Grundumsatz sollte man nicht unterschreiten – auch wenn man abnehmen möchte. Experten und übrigens auch WW empfehlen Punkte als auch den Grundumsatz zu nutzen. Ohne Defizit. Sonst verlangsamt sich der Stoffwechsel oder es kommt zu Heißhungerattacken. Und das wollen wir ja verhindern.
Heißt also Bewegen, Bewegen, Bewegen, an der Ernährung schrauben. Und wollen wir an die Fettpolster ran, mäßig intensive Aktivitäten über 25 Minuten. (Wenn es nur so einfach wäre, oder?)

Ich hoffe, ihr hattet den einen oder anderen AHA-Moment.
Bis dahin . . . bleibt gesund. Eure Mandy

3 Kommentare

  1. Danke für Deine super verständliche Erklärungen! Ich finde das total spannend!
    Welche Hormone sind das, die den Energie-Hilferuf steuern? Und welche Enzyme sind an der Lipolyse beteiligt?
    Ich frage, weil mein Körper massiv Probleme hat, Energie bereitzustellen. Wenn ich lang & mäßig sportele, dann geht mir buchstäblich die Energie aus und ich habe spürbar sinkende Muskelkraft – bis hin zu „Ich kann den Arm nicht mehr heben“. Mein Körper wird zu Blei, und manchmal hält der Zustand einige Tage an. Oft merke ich, dass die Energie dann ÜBERALL fehlt, auch beim Immunsystem und dem Oberstübchen. Ich war auch schon bei vielen Ärzten, aber gefunden wurde bisher nie etwas. Auch ein Endokrinologe war dabei, aber selten fängt ein Arzt an, der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Oder mir erstmal zuzuhören und mir zu glauben. Also forsche ich selber… Vielleicht hast Du ja eine Idee?
    Wenn nicht: dann auf jeden Fall danke für Deinen tollen Bericht – so oder so!

  2. Liebe Mandy,
    jetzt bist du eine so begabte künstlerische Ärztin. Kannst du nicht eine Impfung gegen Fettsucht, Naschsucht, Fresssucht und diese Adipozyten entwickeln? Hach, wenn alles so einfach wäre 😆.
    Du hast mich wieder wunderbar unterhalten. Und da ich schon als Kind mehr Adipozyten hatte, werde ich wohl mit ihnen immer weiter leben und arbeiten … 😊

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