MandysNotizBlog

Irgendwas ist hier faul – Ooohhh, das bin ja ich!

Geschafft!

Hallo meine Lieben,
als erstes möchte ich mich bei euch bedanken. Nicht für die ganzen Sektgläser und -flaschen, die ihr mir geschickt habt. Hätte ich die getrunken, könnte ich jetzt nicht hier sitzen und schreiben sondern würde im Sektkoma vegetieren. Für die ganzen Glückwünsche und lieben Worte. Ich hab mich so gefreut, aber bei über 1000 Nachrichten hat mein Smartphone seine Smartigkeit verloren und beim Scrollen irgendwann aufgegeben. Es lief so heiß, dass ich befürchtete die ersten Stunden als offizielle (Assistenz-) Ärztin durch eine Spontanexplosion meines Handys nicht mehr zu erleben.

Endlich! Endlich! Endlich!

Auch heute, 5 Tage nach dem letzten Prüfungstag, meinem Geburtstag, den ich dadurch fast vergessen hätte, fühlt sich das Ganze immer noch unwirklich an.
Ich hatte gehofft, mir damit selbst das größte Geschenk zu machen. Hat geklappt. Zum Glück. Bei meiner Panik vor Prüfungen hätte das auch anders laufen können. Schon Tage vorher machte mich mein Darm netterweise darauf aufmerksam, dass bald der Prüfungstermin anstand. Dem Herrn sei für das kleine Corona-Klopapierdepot gedankt.
Nein, um ehrlich zu sein war ich vor den Prüfungstagen unerträglich. Psyche auf Talfahrt, mit zuckendem Augenmuskel und Augenringen bis in die Kniekehlen konnte ich nur beten, dass man mir dies nicht in der Prüfung ansieht. Aber es gibt ja Make-up.

Deshalb gehörte der erste Anruf demjenigen, der die Jahre und Tage zuvor meine schlechte Laune, meine unkontrollierten Heulkrämpfe und „NEIN, keine ZEIT“ ertragen musste. Meinem Mann.
Mein „Ich hab´s geschafft“ hat bei ihm ein riesen Jubelschrei ausgelöst. Da wusste ich noch nicht, dass er längst zu Hause war und Luftballons aufblies, durch die ich mich später kämpfen müsste.

Da ich so gut wie niemanden erzählte, dass ich Prüfungen hatte, wusste niemand anderes als mein Mann, was an dem Tag los war. Und so ging der zweite Anruf an die Person, die im Grunde der Auslöser für meine irrsinnige Idee mit dem Medizinstudium war. Meine Oma. Mittlerweile 97 Jahre alt, dachte sie vermutlich wie ich, dass das Studium nie enden wird. Und ich hatte immer befürchtete, dass sie diesen Moment nicht mehr miterleben würde. Nach den ersten Worten hörte ich schon die Tränen in ihrer Stimme. Unbeabsichtigt schubste sie mich während des Telefonats in eine Erinnerung als ich 10 Jahre alt war. Und sie an Brustkrebs erkrankt war. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Aber sie sagte, dass ich abends neben ihren Sessel stand und ihr dabei zu sah, wie sie sich die Spritzen setzte und danach verkündete, ich wolle Ärztin werden.
Es widerstrebt mir sehr, dass ihr Brustkrebs der Grund für meine derzeitigen Glücksgefühle ist.

Nach einem ordentlichen Durchatmer ging der nächste Anruf raus. An mein Mutterschiff, meine Mama. Sie sagte, dass sie etwas geahnt hatte, fiel aber trotzdem aus allen Wolken. Mein Paps erwischte ich bei der Arbeit. Ihn überraschte die Uhrzeit, zu der ich anrief. Das ‚Ich bin Ärztin‘ machte ihn erstmal sprachlos. Und auch er brach in Jubel und Tränen aus (auch wenn er das nie zugeben würde)

Wie ein Faultier . . .


Und seit dem? Meine Stelle als Krankenschwester ist in wenigen Wochen gekündigt. Verrücktes Gefühl. 13 Jahre Krankenschwesterdasein enden. Wenn ich allein daran denke kein Teil des Teams mehr zu sein, quellen mir spontan die Tränen hoch. Also versuch ich noch nicht an den Abschied zu denken.

Nur die Haarfarbe ist die Gleiche

Eigentlich hatte ich nach der Prüfung Ausschlafen geplant. Nichtstun. Dem Staub beim Fallen zugucken. Selbst einstauben. Blinzeln. Sauerstoff in Kohlenstoffdioxid umwandeln. Ein Faultierdasein fristen . . . wenn auch nur für einen Tag. Irgendwie kann ich aber nicht still sitzen. Die Wäsche wird bei dem geilen Wetter so schnell trocken. So habe ich nur eine Gemeinsamkeit mit einem Faultier: die Haarfarbe.

Endlich hab ich aber wenigstens eines geschafft, was auf meiner Liste ganz weit oben stand. Meine Schwester mit ihren Kindern zu besuchen. Ihren Kleinsten, den ich Dank Corona noch nicht einmal gesehen habe, fing spontan an zu Heulen, als er mich erblickte. Sympathie auf den ersten Blick. Und meine 3 jährige Nichte? Energie wie ein Marathonläufer und total unbeeindruckt von ‚deine Tante ist jetzt Ärztin‘. Obwohl durchgeimpft bekam ich von ihr am selben Nachmittag zwei Impfdosen mit der Spielzeugspritze in Schlüsselbein und Knöchel. Keine Angst – hab alles gut vertragen. Das Vakzin der Liebe ist halt universal verträglich.

Und da ich nun voller Liebe bin, danke ich euch nochmal für eure Treue und eure Unterstützung.

Meinen Geburtstag episch feiern? Ist ja noch nicht wirklich erlaubt. Aber ein Glas in Ehren, kann niemand verwehren.

Bleibt gesund. Eure Mandy

8 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch auch von mir 😊🥳🥳.
    Es ist beeindruckend was du alles schaffst und inspirierend. Ich bin derzeit noch KPH, mache aber ab Oktober die dreijährige Ausbildung. Hattest du Abi? Brauchtest du das Abi? Arzt wäre so ein mega Ziel für mich, aber ich habe früh Kinder bekommen und deswegen kein Abi 😔 Deine Posts sind einfach klasse. 😊👍

  2. Das ist so ziemlich der schönste Post von dir!! Man heult ja regelrecht mit vor tiefster Freude!!!
    Lass es krachen!!! Irgendwie!🎊🎊🎊
    Und:

    GANZ GANZ GANZ HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!
    🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺🌺

  3. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag 🎊🎁🎈 also auch ein Zwilling. Ich hatte gestern Geburtstag. Hab einen schönen Tag. LG Miriam (bei WW kleine661)

  4. Hallo liebe Mandy,
    nachträglich alles Liebe zum Geburtstag und zur bestandenen Prüfung.🥳🍾🥂
    Als ich das mit dem Schlüsselerlebnis Brustkrebs bei deiner Oma gelesen habe, musste ich an meine Tochter denken.
    Sie hat ihre Oma mit Schlaganfall gefunden und das war der Auslöser für ihr Medizinstudium. Heute ist sie im 10. Semester und schreibt gerade an ihrer Dissertation 😊.
    LG
    Moni

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