MandysNotizBlog

Der Dickdarm – Teil IV: Colon III. Akt

Wir haben heute einen Gastauftritt. Und zwar: Das Rektum. Lasst euch überraschen.

Schon ein Glas Wasser getrunken?

Wir befinden uns im freien Fall im absteigenden Teil des Colon, links im Bauch. Kurz vor dem Rektum – der letzten Instanz des Verdauungstraktes.

Kommen wir zur Gasbildung und dem unangenehmen Thema: Wenn die Winde gehen! Sie entstehen durch verschluckte Luft, beim Abbau der Nahrungsbestandteile und aus dem Blut wird Luft durch Diffusion in den Darm geschleust – minimal. Wir bilden jeden Tag zwischen 0,2 bis 2l Gas, abhängig von Hülsenfrüchte- und Kohlgenuss, eigentlich geruchlos. Der Gestank entsteht erst durch den Eiweißabbau und damit zum Teil schon im Dünndarm. Im Colon entsteht der Pups durch die bakterielle Gärung aus nichtresorbierbaren Kohlenhydraten. Beides zusammen – tötlich, für alle Anwesenden. Vorsicht also mit Proteinpulver. Bei dem ein oder anderen macht es fiese Bauchschmerzen, weil die Gasbildung extrem zu nimmt, aber fast noch durch den ganzen Dickdarm muss. Dann wünscht man sich, dass die Winde gehen.

Aber genug von Fürzen und Bauchschmerzen. Wir sind fast am Ende angekommen. Das Colon macht hier eine scharfe Rechtskurve, sie wird Sigmoid genannt oder Sigmaschlinge oder Sigmoideum (auch medizinisches Fachchinesisch konnte sich nicht für eine Bezeichnung entscheiden). Im Stuhl befinden sich jetzt noch 200-300 ml Wasser und damit besteht er immer noch zum größten Teil aus Wasser. Auch das Sigmoid hat die Aufgabe weiter Einzudicken – fast schon langweilig oder?

Wir sind bei unserem heutigen Gast angekommen: Dem Rektum. Das Rektum bildet das Ende unseres Verdauungstraktes. Er ist das Auffangbecken dessen, was oben noch als Mittagessen oder Snack reingewandert ist. Das Rektum ist die Couch des Darms – hier wird geduldig gewartet, bis man gebeten wird, die Örtlichkeiten zu verlassen.

Eine ausreichende Trinkmenge und wir schaffen „das Ende“ mit leichtem Druck aus der Welt. Zu viel getrunken nenne ich es gern „Flutsch und weg“, denn der Stuhl hat dann auch eine gute Schleimbildung, was ein Pressen fast unnötig macht.

Je weniger Wasser wir trinken, desto fester ist der Stuhl. Er kommt in den umgangssprachlichen Schafs- oder Hasenkötteln raus. Wir sitzen auf Klo und pressen uns die Seele aus dem Leib. Und das ist in vielerlei Hinsicht schlecht.

Meine Pathologieprofessorin, ausgbildete Rechtsmedizinerin, sagte immer: „Wer sein ganzes Leben lang nur harte Eier scheißt, brauchst sich dann nicht wundern, wenn er Darmkrebs bekommt.“ (Die Rechtsmediziner sind ein Völkchen für sich – aber ihr schwarzen Humor ist unvergleichlich)

Damit hat sie nicht ganz Unrecht. Ein Leben lang ausschließlich harter Stuhl bewirkt folgendes: Das Pressen benötigt enorm viel Druck, der sich im Bauchraum aufbaut – die Darmschleimhaut macht das über Jahrzehnte nicht ohne Folgen mit. Sie bekommt immer wieder kleine Verletzungen, bildet Polypen, Aussackungen können entstehen (Divertikulose, siehe: https://mandysnotizblog.de/viele-krankheiten-eine-gesundheit/divertikulose-die-unbekannte-volkskrankheit/ ).
Daraus kann dann neben Schmerzen auch Krebs entstehen. Die Koloskopie, eine sehr wichtige, oft unangenehme Untersuchung, ist das beste Werkzeug zur Überwachung. Eine schnelle Vorsorgeuntersuchung, zu der man sich unbedingt überwinden sollte.

Bis auf die Polypen sind das Erkrankungen, die man durch eine gute Ernährung und ausreichende Trinkmenge größtenteils positiv beeinflussen und sogar verhindern kann.

Das Problem ist nur, dass viele in ihren Dreißigern und Vierzigern keine Gedanken daran verschwenden, was ‚in ein paar Jahren ist‘. Weil auch die Aufklärung fehlt, durch Unwissen oder einem Hausarzt, der keinen Wert darauf legt oder einfach keine Zeit dafür hat.

Auch das „Einhalten“ oder „Später auf Toilette gehen“ ist nicht vorteilhaft. Dem Stuhl wird ja auch weiterhin Wasser entzogen und die Sensoren für den „Druck“ lassen nach. Man gewöhnt sich den Stuhldrang praktisch ab und bekommt schmerzhafte Verstopfung. Man kann den Stuhldrang aber wieder erlernen, wenn man auf seinen Körper hört.

Hier endet unsere Reise des Trinkens. Wasser hat also nicht nur direkt oder wenige Stunden nach dem Trinken einen Einfluss auf den Körper, sondern bis zum Stillen Örtchen. (Ihr könnt ja mal scherzeshalber nach der Bristol-Skala suchen – und vergleichen: es sollte eine 3 oder 4 sein)

Im nächsten Teil kommen wir einigen Trinkmythen auf die Schliche, finden heraus, warum Softdrinks nicht unbedingt die richtige Wahl sind und warum der Schnaps nach dem Essen manchmal so gut tut.

Bis dahin, gesund bleiben und …. Trinken. Eure Mandy

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