MandysNotizBlog

Mein veganes Weihnachtswunder! ODER Wie ich meinen ersten Seitanbraten erlegte, ihn briet und er zurückschlug

Himmel hilf. Meine Schwester kündigt sich zu Weihnachten an. Ich liebe sie. Aber sie lebt seit Anfang des Jahres 2020 vegan. Also komplett vegan, kein Teilzeit-Veganer. Totally vegan. Kein Fleisch. Nichts was je von einem Tier produziert oder angeguckt wurde.
War das Jahr 2020 nicht schlimm genug? Muss man sich dann noch selbst kasteien?

Aber gut. Ich liebe Herausforderungen.
Ich verstaute also alle Vegan-Witze in meinem Hinterstübchen:
„Wie nennt man einen Schwergewichtler, der sich vegan ernährt? Biotonne.“
„Wie nennt man einen Veganer mit Durchfall? Smoothie-Maker.“
„Veganer werden nicht beerdigt. Sie werden kompostiert.“
„Veganer essen nicht. Sie Grasen.“

Was landet auf dem Teller?

Mit diesen Witzen mache ich mich weder über eine persönliche Einstellung lustig, noch über die Menschen, die sich dafür entschieden haben. Sondern finde die Witze um des Witzes Willen lustig.

Vegan, wenn auch nur an einem Tag, schützt Leben.

Ich akzeptiere diese Einstellung. Jeder so wie er mag. Solang mir dieser Lebensstil nicht aufgedrängt wird. Ich essen gern Fleisch. Nicht mehr so oft wie früher, dafür aber hochwertiger. Seine Lebensweise hin und wieder zu hinterfragen finde ich gut. Auch darüber nachzudenken, was auf meinem Teller landet. Hatte es einen Namen? Ein gutes Leben? Musste es sein Dasein in einem Käfig fristen? Oder hatte es frische Luft in den Lungen und Gras unter den Hufen?

Sich bewusst zu machen, dass etwas für einen gestorben ist, damit man Schlemmen kann brachte mich vor ein paar Jahren zum Umdenken. Ich brauche nicht jeden Tag Fleisch auf meinem Teller. Selten freute ich mich über den Anblick von Fleisch auf meinem Teller, weil es einfach jeden Tag drauf war.

Heute gibt es ein richtiges Stück Fleisch höchstens zwei Mal die Woche und dann von einem regionalen Metzger. Was für ein Genuss.

Honig

So sieht auch die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aus: Wöchentlich 300 bis 600 g Fleisch.

Damit bin ich wohl ein Flexitarier. Es gibt aber Produkte von Tieren, die ich liebe und auf die ich nicht verzichten möchte. Honig, Eier, Milch beispielsweise. Im besten Fall sterben auch keine Tiere dafür.

Meine Zweifel daran: Der Mensch neigt dazu ausbeuterisch zu sein. Bienenvölker ernähren sich im Winter normalerweise von ihrem Honig. Trotzdem bekommen sie in der Massenhaltung oft nur Zuckerwasser. Deshalb hole ich Honig meist bei einem Imker bei meinen Eltern im Harz – er macht es hobbymäßig neben seinem Beruf. In so etwas investiere ich gern mein Geld. Und nicht in gepanschten Honig aus der Industrie. Der meiste Honig in unseren Regalen komm aus der EU und aus der Nicht-EU und ist erhitzt (ohne seine guten Enzyme), deshalb flüssig und dann auch gern gestreckt. Ich weiß aber auch, dass es Luxus ist Imkerhonig zu konsumieren und es sich nicht jeder leisten kann. So lang ich es aber kann, werde ich es tun.

Milch

Ebenso Milch. Kühe müssen schwanger sein, damit sie Milch geben. Eigentlich logisch. Die Erkenntnis, dass Kühe von der Industrie aber künstlich befruchtet werden, damit sie fast durchgehend Milch geben war ein Schock für mich. Das Resultat: Teurere Milch, von der ich weiß, dass der Bauer mehr bekommt und die Kühe nicht nur im Stall standen. Nur noch einmal Kaffee mit Milchschaum am Tag und Hafermilch ist bei uns daheim eingezogen.

Hafermilch – wie irreführend. Hafer hat keine Zitzen und gibt keine Milch. Sie werden in Wasser zerkleinert und ausgepresst. Meine Lieblingshafermilch von berief (unbezahlte Werbung) schmeckt angenehm nach Hafer ohne langen Nachgeschmack, kommt aus Deutschland, ist ressourcensparend und es musste kein Dschungel für Soja gerodet werden. In Müsli Wahnsinn.

Eier

Große Frühstückseier. Ein Muss am Wochenende. Hennen zerreißen sich bei großen Eiern aber oft das Gelege und werden dann geschlachtet. Vor einem Eierregal bekomme ich regelmäßig Beklemmungen: Freilandeier. Bodenhaltung. Männliche Küken werden aufgezogen. Hühner sind an der frischen Luft. Bio. Kein Bio. Puuhhhhh . . . letzendlich bin ich an dem Punkt angekommen, einfach nicht mehr so viele zu essen wie früher. Und dafür lieber in hochwertigere Eier zu investieren.

Was ist gesund?

Auf dem schmalen anstrengenden Grad nach der richtigen Ernährung stößt man aber an Grenzen. Zumindest bin ich an meine gestoßen. Wenn man auf alles achtet, was man konsumiert, habe ich das Gefühl nichts mehr kaufen zu dürfen. Also achte ich besonders auf Regionalität und Saisonalität. Aber vegan ist eine ganz andere Hausnummer.

Insgeheim bewundere ich diese Ernährungsweise. Sie ist umweltbewusst, schützt Tiere und man ernährt sich gesünder, als ein Großteil der Weltbevölkerung.

Als jemand, der so wie so immer alles hinterfragen muss, stelle ich mir schon seit vielen Jahren die Frage, was gesunde Ernährung ist. Auch aus wissenschaftlicher Sicht, habe ich dieses Thema beleuchtet und teile bis heute die Überzeugung, dass das menschliche Gehirn erst eine Größenzunahme verzeichnete, seit dem der Mensch Fleisch zu sich nahm.
Gut, bei so manchen hat dieses Größenwachstum nie statt gefunden.

Vegan leben

Also befasste ich mich näher mit dem Thema Vegan. Und geriet immer mehr ins Schwitzen. Alles was ich gern esse, würde ich für ein weihnachtliches veganes Dinner ersetzen müssen: Honig, Sahne, Rotwein. Zum Glück ist es ja heutzutage einfacher vegan zu leben als noch vor 20 Jahren.

Ich bin allerdings kein Freund von Ersatzpräparaten. Und diese sollte man bei einem veganen Lebensstil nicht vergessen: Vitamin D und B12, Eisen, Omega 3 (aus Algenöl).

Statt Honig – Wonig (Vegablum). Noch nie gehört? Eine Mischung aus Zucker und Blumenextrakten. Direkt vom Blümchen ohne Bienchen. Es geht aber auch Ahornsirup.

Oder statt Sahne, alpro cuisine. Veganer Wein ist nach einigem Suchen auch gefunden. Nicht ohne zu Testen natürlich. Die Überraschung: Viel weniger sauer als manch andere Weine. Ich bin kein Weinkenner und plagte mich immer wieder mit der starken Säure von Rotweinen herum. Hallo Sodbrennen! Nicht bei diesem Wein. Leicht bekömmlich. Auch seine weiße und rosane Schwester.

Sprechen wir nicht von den Preisen. Mein studentischer Geldbeutel schrie laut auf bei den ersten Einkäufen.

Vegane Lebkuchen???

Bereits einige Tage vor Weihnachten machte meine Schwester veganen Lebkuchen von Bianca Zapatka. https://biancazapatka.com/de/lebkuchen-plaetzchen-vegane-kekse/
Hmmmm . . . ich schwankte zwischen Skepsis und Neugier. Fluffig, weihnachtsgewürzig, himmlisch. Was soll ich sagen: Sie musste sich nochmal hinstellen und backen.
(Ich kann übrigens auch das vegane Kimchi empfehlen. Schnell und lecker und dazu noch mega gesund für die Darmflora: https://biancazapatka.com/de/veganes-kimchi-rezept/

Mein veganes Weihnachtswunder

Ich begab mich also auf die Suche nach einer Weihnachts’braten’alternative. Und fand eine im Seitanbraten.
Seitan ist ein Weizeneiweiß mit fleischähnlicher Konsistenz. Auf einer veganen Internetseitan ääähhhh …seite fand ich ihn. Ein Kilo schwer, gut gewürzt, super bewertet, preislich okay. Ich hab für Fleisch schon wesentlich mehr ausgegeben.
https://www.vantastic-foods.com/vegane-lebensmittel/fleischalternativen/schnitzel-und-co.-alternativen/vantastic-foods-vantastic-braten-deluxe-1kg

Es wird einen „Veganer Braten Wellington“ am 1. Weihnachtsfeiertag geben. Umhüllt von Zwiebeln, Pilzen, Kräutern und Blätterteig. Das Rezept dazu klang super. Die passende Soße hatte ich dazu bestellt. Zeit an Weihnachten ist immer knapp und je mehr Unterstützung ich haben würde, desto besser.

Dann die ersten Probleme. Die gebratenen Pilze hielten nicht und klatschten erfolgreich an den Seitan … äähhhhh Seiten runter. Der Blätterteig war zu weich geworden. Oder lag es doch an der Schwerkraft? Möglicherweise an beidem.
Meine Schwester, die mir mentale Unterstützung bot, stand im Türrahmen und zuckte mit den Schultern. „Ist doch wurscht wie er aussieht.“

Wurscht? Was für ein makabres Wortspiel. Ich hatte Fleischstücken, die sich weniger wehrten als dieses Stück Pflanzenmischmasch. Ich hockte gebannt vor dem Ofenrohr und sah beim ‚Abrutschen‘ zu.

Die Rinderrouladen, die ich für den nächsten Tag geplant habe, hatten sich weniger zickig angestellt. Sie badeten ihre kleinen Popöchen in Rotweinsoße bei kühlen Temperaturen auf dem Balkon.
Während ich mich an dieser veganen Nervenprüfung des Teufels versuchte.

Ich schnitt den ‚Braten‘ auf und fragte mich dabei die ganze Zeit, ob ich überhaupt Braten dazu sagen durfte. Meine Schwester bereitete den Salat zu und durchmengte ihn großzügig mit den Händen. War das noch vegan?

Ich scherze. Aber so etwas beschäftigt mich. Ich tischte also den ‚Braten‘ auf. Und er war mega. Die Würze, die Konsistenz – einfach lecker. Alle veganen Beilagen schmeckten ebenfalls hervorragend. Auch mein Mann, der Fleischfresser vorm Herrn, zeigte sich begeistert. Kein Sodbrennen, kein Überfressengefühl, kein Völlegefühl. Mein Körper zeigte so positive Aspekte, dass ich plane, dies auch in den nächsten Jahren zu wiederholen.

Ein bisschen stolz bin ich natürlich auch, dass ich es probiert habe.
Wir freuen uns trotzdem auf die Rinderrouladen. Bleiben aber offen für Neues. Probiert es mal. Es könnte euch genauso überraschen wie mich.

Bleibt gesund. Eure Mandy

6 Kommentare

  1. Immer wieder MEGA deine Überlegungen, dein Witze, deine Pläne! Mein Fleischesser zu Hause werde ich mal kurz in die Wüste schicken müssen um den veganen Braten zu probieren, aber …. Du hast mich so neugierig gemacht, dass das sicher der Fall sein wird! 😄 Danke!

  2. Liebe Mandy,
    vielen Dank für Deine humorvollen Worte… ich finde mit Humor lässt sich alles leichter ertragen .. wenn du noch weitere vegane Inspirationen suchen/finden möchtest, dann guck mal hier:
    https://www.eat-this.org meine Lieblingsseite. Wir sind keine Veganer, allerdings ist meine Tochter(26, wohnt auch nicht mehr zuhause) von klein auf allergisch gegen tierisches Eiweiß, so dass die vegane Welle, uns/ihr vieles erleichtert…
    Sei ganz herzlich gegrüßt,
    Birgit
    PS: übrigens: es heißt auch Scheuermilch und keiner regt sich auf darüber 😉

  3. Nun hast du mich aus dem ww Forum zu dir gelockt.. und es hat sich – wie zu ahnen war – echt gelohnt. Du schreibst so hervorragend erfrischend…herrlich.. ich habe es sogar Mann und Kind vorgelesen und sie fanden es auch super…
    Deine scharfen, gut durchdachten Witze im Vordergrund, die aber doch auch tiefgründig überlegt sind …ich liebe das sehr…
    Und wieder freue ich mich auf mehr…

  4. Du schreibst ja schon so toll, aber Deine Bilder, unbeschreiblich schön. Kann man die auch käuflich erwerben? Mein Mann und ich lieben Enten sehr und das Entchenbild ist einfach phänomenal. LG Tati

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