MandysNotizBlog

Ist das Kunst oder kann das weg?

Geschmackvoll!

Das ein oder andere Mal kam schon die Frage auf, ob die Bilder von mir sind.
Tatsächlich entspringen sie meinem Bleistift oder Pinsel.

Wer bis zu diesem Beitrag noch nicht gemerkt hat, dass ich eine verschrobene Persönlichkeit habe, liest entweder zum ersten Mal von mir oder hat meine Texte nur überflogen.
Denn spätestens bei den Bildern sollte es doch auffallen: Hier stimmt was nicht! Sie schreibt über Gesundheit und malt dazu Törtchen und Co. Wasser predigen, Wein trinken.

Dabei ist es ganz einfach: Ich mag schöne Dinge. Und ein Törtchen sieht nun mal besser aus als eine Kiwi. Vielleicht sollte ich mich mal an einer Kiwi versuchen?

Mein erstes Vorbild

Ein Picasso? Wohl kaum. Hasenphase von Mandy (5 Jahre)

Vom Essen mal abgesehen. Ich mag wirklich schöne Dinge. Vor allem auf Papier. Ob dieses Papier nun mit Buchstaben oder Farbpigmenten benetzt ist, ist mir gleich. Worte, Bücher, Zeichnungen, Musik . . . dass ist das, woraus meine Fantasie gemacht ist.

Die Leidenschaft hat wie bei jedem Kind angefangen. Mit „Papa, mal doch mal . . . “ und Schablonen.
Mein Paps hatte dabei eine besondere Rolle.

Selbstportrait: mein Paps (1983)

In meiner frühesten Erinnerung verlangte ich von ihm, ein Pferd zu malen. Nach meiner brüsken Feststellung, dass die Skizze wie ein Hund aussah, forderte er mich dazu auf, es selbst zu probieren. Der Beginn meiner Laufbahn als Kunstbanause.
Später bekam ich eine Einsicht in die Zeichnungen meines Vaters. Und stellte fest, dass dieser Mann ein Genie mit einer phänomenalen Technik ist: Wenige Striche, enormer Ausdruck.

Nach wie vor haben wir ganz unterschiedliche Stile. Das beginnt schon damit, dass ich zeichne und er nicht mehr. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich ihn das letzte Mal mit einem Bleistift gesehen habe.

Mangas – wenige Striche, ein Haufen Emotionen

Den Zeichenunterricht in der Schule hab ich nicht gemocht. Malen mit Farbe war überhaupt nicht meins. Erst mit 12 oder 13 Jahren kam wieder etwas Interesse am Zeichnen auf und zwar, als ich auf die japanische Kunst traf. Richtig, Mangas.

Das Faszinierende daran? Mit einem schwarzen Stift und wenigen Strichen Emotionen ausdrücken. Gott, hab ich das geliebt. Ist die Jugend doch ein heißes Pflaster für missverstandene Gefühle und überschäumende Hormone.

Panda

Einem blieb ich aber treu: Dem Bleistift.
Bleistifte sind geduldig und nicht nachtragend. Geht was schief, radiere es weg. Mit Kohlestiften funktioniert das schlecht. Und ständig verwischt das Zeug.

Meine Versuche zu zeichnen, auch schon damals, würden wahrscheinlich jeden der etwas von Kunst versteht (und ich zähle mich nicht dazu) zum Lachen bringen.
Hab ich eine Technik? Keine Ahnung. Ich malte immer drauf los in der Hoffnung, dass was Vernünftiges bei raus kommt. Gefühle, geschmiert auf ein paar Blätter Papier.
Aber ist das nicht Kunst?

Le Coiffeur

Mit 16 Jahren gründete ich erfolgreich meine erste Zeitung. Mit einer Auflage von 3 Stück war es in unserem Haus ein heiß erwartetes Käseblättchen. Meine große Schwester verließ unser Haus und musste doch wissen, was in unserem kleinen 600 Seelendorf abging. ‚Le Coiffeur‘, der Friseur, berichtete mit einer Aktualität zum Davonlaufen über jeden Klatsch und Tratsch. Und das mit völlig ‚unfrisierten‘ Artikeln. Ein kleiner Höhepunkt in meiner Laufbahn der Kuriositäten.

Die Rolle der Musik

vom Stamm der Karo

Meine ‚Karriere‘ nahm ungeahnten Schub auf, als ich der Schülerzeitung beitrat. Dort durfte ich mich auf dem Cover austoben und hatte meinen ersten Comic. Mehr schlecht als Recht, aber hey, jeder Künstler hat mal klein angefangen.

In dieser Zeit merkte ich, wie sehr es mir gefiel menschliche Gesichter zu zeichnen. Realistisch war nichts daran. Meine mangelnde Erfahrung war mal wieder hinderlich. Ich scheiterte oft an Mimik und meiner eigenen Technik.

Selbstportrait: Mandy & Schädel

Meine Kunstlehrerin auf dem Gymnasium war mir hier eine große Hilfe. Sie zeigte mir, dass Scheitern dazu gehört. Eine bessere Technik für mehr Ausdruck und Gefühl gab sie mir nebenbei auch noch mit an die Hand.

„Du kannst einem Bild nur Leben verleihen, wenn du selbst etwas dabei fühlst.“

Indianer

Ab diesem Zeitpunkt nutzte ich bewusst Musik um mich beim Malen zu konzentrieren und Gefühle in die Striche zu bringen. Und so mach ich es heute noch. Ohne Musik läuft nichts bei mir.

Bud Spencer – Held meiner Kindheit

Wenn ihr also ein weihnachtliches Bild seht, könnt ihr davon ausgehen, dass während dessen Klänge von ‚Driving home for christmas‘ durch die Wohnung waberten.
Bei Törtchen- und Dessertbildern wiederum steckt ganz viel Appetit und Lust drin, inspiriert von der Filmmusik ‚Chocolat‘. In Bildern mit Emotionen stecken die Klänge von Ludovico Einaudi von ‚Ziemlich Beste Freunde‘. Filmmusik ist eine treibende Kraft in meinem WirrWarr aus Strichen.

Mein Umzug

eigene Interpretation von Chat Noir

In Frankfurt begann meine Karriere als Museumsbesucher. Wie ihr wisst, bin ich kein großer Fan Frankfurts. Aber ich glaube, sie ist eine großartige Stadt um seine künstlerische Ader zu finden. Ich merkte schnell, was mir gefiel und was nicht.

Ein Sandeimer mit einer Schaufel darin, ist für mich keine Kunst. Und auch ein Besuch im Städel zeigte mir, dass ich von Großen Meistern nicht wirklich Ahnung habe. Kirchliche Bilder erwecken überhaupt keine Begeisterung, so dass ich bereits nach dem 2. Stock das Gefühl hatte, dass mein atheistisch angehauchter Geist in Flammen aufgeht.

Aber die Verwendung von Farben und Gold war einfach faszinierend. Immer nur Bleistift kam mir auf einmal langweilig vor. Also versuchte ich mich an Farbe. Katastrophe. Das Projekt wurde erst mal auf unbestimmte Zeit eingestampft.

Aquarellfarbe

Anatomie, wie ich sie liebe

Ein Blick in ein Anatomiebuch ist für mich gleichzeitig wissenschaftlich interessant als auch künstlerisch. Mutter Natur empfinde ich als größte, je da gewesene, Künstlerin.

Meine ersten Versuche mit Aquarellfarbe machte ich aber erst, als ich merkte, dass meine Posts mit ihrer Hilfe mehr Menschen erreichen – vor 6 Monaten also.

Aber eben auch diese Technik ist nicht ausgereift. Ich stoße immer wieder an meine Grenzen. Obwohl in meinem Kopf eine viel lebhaftere Fantasie tobt, als auf dem Papier.

Wenn man keine Zeichenlehrerin in der Nähe hat, sucht man sich woanders Hilfe. „Die Kunst der Aquarell Malerei“ von Rabiyat Alieva ist seit ein paar Wochen meine Begleiterin. Ein dickes Buch, dass ich jetzt in Quarantänezeiten überall in der Wohnung mit schleppe. Man kann sich herrlich mit einer Schale Müsli dahinter verkriechen.

Red Lips

Und meine Technik? Immer noch wüst, unausgereift, stümperhaft. Ich kombiniere Methoden. Zu viele harte Kanten, zu viel Wasser, die falschen Pinsel. Aber ich lerne.

‚Tell me, and I forget. Teach me, and I remember. Involve me, and I learn.‘
Anne of Green Gables

Kiwi

Was ich mit diesem langen Text sagen wollte? Egal was auf dem Papier vor einem raus kommt, niemand hat das Recht sich darüber lustig zu machen oder zu sagen, dass es keine Kunst ist. Wichtig ist, wie es einem selbst gefällt. Ist es nicht gut? Dann ein neuer Versuch. Nie aufgeben und immer wieder versuchen. Wie bei allem im Leben.

Apropos, wie war das mit der Kiwi?

Bleibt gesund, eure Mandy

4 Kommentare

  1. Du hast Talent. Ich mag Deine Bilder oder mit Deinen Worten „ich mag Schönes“. Ich bin selbst auch Manga-Fan. Leider fehlen mir Talent und Sitzfleisch um auch nur annähernd so gut zeichnen zu können. Ich freue mich auf Neue Beiträge von Dir. ☺️

  2. Ich finde Deine Bilder und die Zeichnungen wunderschön. Ich mag ebenso Deine Texte, die jedes Mal einen kleinen Blick in Deine Welt eröffnen. Mach bitte weiter so.

  3. Ich finde Deine Bilder sehr schön, frage mich nur, wo Du die Zeit und Muße dafür neben dem Stidium hernimmst. Du hast eine große Gabe. Bewundernswert….. 👍😊

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