MandysNotizBlog

Das Leben ist besser in Flip Flops – von wegen!

Auf einer einstündigen Zugfahrt zur Arbeit, geht einem sehr viel durch den Kopf. Wenn man dann noch Musik auf den Ohren hat, gleich das ganze einem Kaleidoskop an Gedanken und Träumen.

Seit PJ-Beginn geht mir nicht mehr aus dem Kopf, dass ich immer Insel-Ärztin werden wollte – auf Rügen. Ein Teil meiner Familie lebt immer noch dort, wenige, aber ein Grund für mich, jedes Jahr hin zufahren. Die heißen Temperaturen und meine bunten Flip Flops (das einzig Bunte an mir meinen Bildern) erinnern mich nun noch eindrücklicher daran: Sand, Salzgeruch in der Nase, da Arbeiten wo andere Urlaub machen. Blauäugig, ich hab diesen Traum längst begraben. Oder doch nicht? Ihr habt schließlich in den letzten Wochen noch eine andere Hoffnung wieder geweckt, die ich für begraben hielt – ein Buch.

Mein Smartphone läuft nun morgens heiß. Was einerseits daran liegt, dass es ein Model von 2014 ist. Hab ich mich einmal in ein Gerät verliebt, schafft es kein anderes so schnell, seinen Platz einzunehmen. Egal wie viele Macken und Schrullen das Ding bekommt, hänge ich trotzdem an ihm. Andererseits glüht es, weil ich meine Berichte auf ihm verfasse. Weshalb meine morgendlichen Gedankenergüsse meist auch so aussehen: ‚Der rechte Lungenflügel hat 3 Lappen und der linke Lungenflügel nur 2. Könnte sie fliegen, dann nur mit einem Drall.‘ oder ‚Das Herz hört immer heimlich mit. Wozu sollten denn sonst die Herzohren da sein . . . richtig, natürlich ist das komplizierter.‘

Solche Sätze schaffen es selten in die Berichte. Die begrenzte Zeichenanzahl lassen mir nicht viel Raum für Witz & Scherz. Die Fakten haben für mich Vorrang. Ich will euch so viel Wissen wie nur möglich mitgeben und das mit Worten, die Platz auf einer A4 Seite finden müssen. Unfassbar, dass euch das gefällt. Das muss ich ausnutzen. Wer weiß, ob ihr nächste Woche noch Bock drauf habt. Also schreib ich vor der Arbeit, nach der Arbeit, zu Hause, ‚kämpfe‘ mit Trollen und werde von euch verteidigt (Danke dafür) und während der Arbeit denk ich auch daran, wovon ich aus dem Wunderwerk Körper noch erzählen könnte.

Aber gestern Morgen saß ich im Zug, das Smartphone im Rucksack, Musik auf den Ohren aus dem Fenster starrend, nicht wirklich sehend, was da vorbei rauscht.

Im Leben trifft man viele Entscheidungen. Schmiedet Pläne, verwirft Ideen, jeden Tag, auch solche, die einem früher wichtig waren, worüber man aber heute Lachen würde, dass man sich je Hoffnungen gemacht hat. Und dann passiert so was wie hier in der Community: das jemanden gefällt, was einem selbst so viel Spaß macht. Und Dinge, wie auf Arbeit: Wenn ein alter, gemeiner Kauz von Patient, der Bettpfannen nach Schwestern wirft, der weder Danke noch Bitte kennt, dem man Blut abnehmen muss, auf die Aufforderung ‚bitte fest drücken‘ meine Hand eine Viertelstunde lang gedrückt hält und dabei stumme Tränen um eine mitgeteilte Diagnose vergießt – ich hatte eigentlich den Tupfer auf der Blutentnahmestelle gemeint.

Gestern Morgen machte ich mir Gedanken über Träume und Hoffnungen, die ich gehabt habe, bevor Arbeitsalltag und -stress zugeschlagen haben. Was wollte ich für mich? Was will ich jetzt? Und warum hab ich so manche begraben? Waren sie nicht mehr kompatibel? Was hat die Hauptrolle übernommen? Und sollte es nach wie vor die Hauptrolle spielen? Oder ist etwas in mein Leben getreten, was einfach eine viel bessere Sache ist als die Hauptrolle?

Ich glaube, es ist wichtig, sich solche Fragen ab und zu zustellen, um nicht den Fokus zu verlieren. Viel zu oft lassen wir zu, dass wir uns erst diesen Fragen stellen, wenn ein Ereignis passiert, was so markerschütternd und lebensverrückend ist, dass es uns den Boden unter den Füßen weg reißt.

Was wollen wir also vom Leben? Habe ich die Reise gemacht, die ich immer machen wollte? Habe ich den Tag so genutzt, wie ich wollte? Früher hab ich so gern gesungen, auch wenn es immer schief war – sollte ich heute Morgen die Nachbarn kurz beschallen und unter der Dusche singen? Hab ich meiner Familie heute morgen gesagt, dass ich sie liebe, obwohl sie mir alle auf den Keks gegangen sind?

Oh, der Zug ist angekommen. Zeit, das Träumen zu unterbrechen. Wenn man mit Flip Flops übrigens aus dem Zug springt und fast Haltungsnoten dafür bekommt, sind sie vielleicht die richtige Wahl für Träume, aber nicht für den Arbeitsweg.

Bleibt gesund . . . Mandy

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