MandysNotizBlog

Wie man Dank der eigenen Meinung seinen Bekanntenkreis klein hält

„Die Regierung nimmt uns die Freiheit.“
Eigentlich war ich zum Joggen unterwegs gewesen. Aufgrund unserer Hündin komme ich aber immer wieder in Gespräche mit anderen Leuten. Meistens sind das dann andere Hundehalter. Man unterhält sich über die Hunde, über die Häufchen, Leine ja/nein/vielleicht und nun auch Corona. Dachte ich doch wirklich dem Virus im Wald entkommen zu sein. Vermutlich war ich zu langsam. Jedes Mal wenn wir von anderen Joggern überholt wurden, strafte mich mein Hund mit Blicken ab. Ich bin ihr Anker und sie mein Zugpferd. Wir ‚ergänzen‘ uns hervorragend.

Meine Gesprächspartnerin hatte keinen Hund dabei, dafür aber anscheinend jede Menge Wut im Rucksack. Wie waren wir eigentlich von meinem Hund auf Corona gekommen?
Ich nickte freundlich, weil ich keinen Bock auf Diskussionen hatte. Innerlich schwoll mit der Kamm. Seit Wochen und Monaten versuche ich mich durch Menschen zu navigieren, die mir ihre Meinung aufhalsen wollen.
„Du arbeitest doch im Krankenhaus. Das ist doch nicht wirklich Corona.“
Ich bin müde. Von dem Ausweichen, dem Nicken, dem Rechtfertigen, dem falschen Lächeln, das eigentlich mehr einer Grimasse gleichen muss.
Die Welt lodert und brennt im Corona-Feuer und manche fragen sich wirklich noch, ob es das gibt?
Meine Meinung hat schon so einige feurige Diskussionen entbrennen lassen – glaubt mir.

Es war einmal im Jahr 2020 . . .

Vor nicht allzu langer Zeit im Jahr 2020, um genauer zu sein am 16. März, ging Deutschland in den Lockdown. Über 6.000 Fälle am Tag hatten wir und waren derart schockiert, dass wir Spielplätze mit Absperrband sperrten, Homeoffice landesweit einführten und Flugzeuge am Boden blieben (bei Gott, war es ruhig in und über Frankfurt). Das Land versank in Stille.
Herr Drosten sprach damals von kleinen Brandherden, Clustern, die zu einem Flächenbrand werden könnten, wenn man nicht aufpassen würde. Der Flächenbrand kam, weil man aus gewissen Gründen lieber abwartete und hoffte. Das Virus hatte den Teil mit der Hoffnung leider nicht mit bekommen, sonst hätte es sich an den Bundesgrenzen halt gemacht.

Aktuell

Über 6.000 Neuinfektionen täglich würden wir uns heute freuen. Von einem Flächenbrand können wir kaum noch sprechen. Eher einem Inferno, das direkt vor der eignen Haustür wütet. In anderen Ländern flammt und lodert es lichterloh. Wir sehen, wohin uns der Weg führen könnte. Und es fällt auf: die Regierung tut nichts, als über das Feuer und Maßnahmen zu diskutieren. Taten folgen nicht wirklich. Auch davon bin ich müde. Und von den Leuten am Main, die sich mit mitgebrachten Äppelwoi ans Mainufer setzen. Ohne Abstand, ohne Maske. Nicht Hunderte. Tausende. So viele, dass man vom Fahrrad absteigen muss, weil man nicht mehr durch kommt. In solchen Momenten möchte ich platzen und schreien, wie zutiefst unsolidarisch und asozial dieses Verhalten ist. Aber ich halte die Klappe – möchte ich doch zu Hause ankommen ohne blaues Auge oder Klappmesser im Rücken.

. . . ein Inferno

Bleiben wir kurz bei dem Inferno-Vergleich. Man stelle sich einen heiß lodernden Waldbrand vor. Das Gehölz ist trocken, das Feuer schlägt hohe Flammen in den Himmel und das Knistern und Knacken des brennenden Geäst ist aus weiter Entfernung zu vernehmen. Die heißen Wellen die der Hitze voraus gehen, verdorren die umliegende Gegend. Das Feuer selbst tötet und nimmt Tausenden die Lebensgrundlage.

Jeder nur Halbwegsgeradeausdenkende würde sich einen Eimer schnappen, Wasser suchen und löschen. Kein Eimer da? Dann eben der Versuch das Feuer zu ersticken. An allen Fronten mit allen vorhandenen Hilfsmitteln. Neue Brandstellen müssen vermieden werden und Gefährdete müssen evakuiert werden.
Es braucht ein gut funktionierendes Gesundheitssystem, Versorgung Verletzter und Notleidender und die finanzielle Unterstützung Geschädigter.

Es mag vielleicht überraschen, aber es ist wenig hilfreich an einigen Stellen etwas Wasser zu vergießen, an einer anderen Stelle mit dem Fuß etwas drauf rum zu trampeln und da, wo sich das Feuer zurückzieht wieder Stroh ins Feuer zu werfen, weil sich die Lage ja dort entspannt hat. Noch besser, wir lassen die Kinder am Feuer spielen und die Flammen an den Schulen ‚lecken‘.

Und kaum lodert es wieder auf, stehen alle drum herum und sticheln, diskutieren und streiten.
„Die Wirtschaft darf nicht noch mehr leiden. Das Feuer hat genug zerstört.“
„Dafür bin ich ja nicht wirklich zuständig.“
„Wir können die Feuerwehr rufen. Aber nur 3 Tage, sonst wird es zu teuer.“
Dann kommen noch die Skeptiker und sagen, dass wir mit dem Feuer leben müssen, weil es das ja schon immer gab; Feuer etwas ganz Natürliches ist und mit einer guten Gesundheit überlebt man das schon – weitere Vorsorgen seien nicht notwendig. Es trifft schließlich nur die Schwächsten. Dann gehen sie demonstrieren und zwar für die Freiheit mit dem Feuer spielen zu dürfen und wundern sich dann, wenn sie sich am Heißen verbrennen und ein Aua haben.

Vermutlich muss es nicht erklärt werden: Die Spritzer Wasser sind die kleinen Lockdowns, das Austreten und Ersticken die Impfungen und Schnelltests und das Stroh sind die Lockerungen, die immer wieder durchgesetzt werden. Trotz Warnungen. Angeblich, weil die Bevölkerung das möchte, müde ist von der Pandemie. Und wie wir müde sind, müde vom Flammen beobachten, vom In-der-Wohnung-hocken.
Anstatt der häppchenweisen Lockerungen, hätte ich und ich denke auch einen Großteil der Bevölkerung einen harten Lockdown – nochmal richtig hart die Pobacken zusammenkneifen. Wie im März 2020. Und während des Lockdowns: Impfen, Impfen, Impfen. Damit wir nach dem Lockdown mit Weißweinschorle, Radler und Cappuccino gemeinsam die Spuren des Flächenbrandes beseitigen können.

Eine Mandy steht im Walde ganz still und stumm . . .

Und so stand ich im Wald, im wahrsten Sinne des Wortes und hörte dieser Frau zu.
„Ich muss dann mal weiter. Mein Hund wird schon unruhig.“
Meine Hündin schnuffelte den Waldboden ab, nicht im mindesten unruhig. Ich hob verabschiedend die Hand, drehte mich um und fiel über meinen eigenen Hund. Und wie ich da so lag und hoffte, dass die brennende Stelle am Schienbein nicht so groß sei wie sie sich anfühlte, tauchte das Gesicht der Dame über mir auf.
„Oje, das war sicher schmerzhaft.“
Karma? Keine Ahnung. Hätte ich die Diskussion früher unterbrochen, wäre das vielleicht nicht passiert. Hätte, hätte . . .
Wenn die Regierung uns unserer Freiheit beraubt, denke ich unweigerlich an meinen Opa, der im Krieg in russischer Gefangenschaft war und nichts zu Essen bekam. Ich gehe Einkaufen, Joggen, hab genug zu Essen . . . ich empfinde es nicht als Beraubung meiner Freiheit.
Klar, ich schüttle über vieles was in der Regierung abgeht auch den Kopf. Steht das C in CDU nicht für christlich? Was ist christlich daran sich in diesen Zeiten mit Maskendeals zu bereichern? Ist Gier nicht eine Todsünde? Es grenzt an Heuchelei . . . aber auch das wird irgendwann mal enden. Alles hat ein Ende. Dieser Tag. Das Leben. Das Flammeninferno. Diese Pandemie.

Übertrieben? Vielleicht . . .

Vielleicht ist mein Bild vom Inferno übertrieben. Aber mein subjektiver Eindruck wird im Krankenhaus und in der Praxis bestätigt – das Feuer hat Spuren hinterlassen. Depression, Angststörungen, Panik, Übergewicht, Rücken– und Schulterschmerzen. Weil eben nicht jeder gern allein Sport macht und Störungen der Seele sich auf das Ess- und Bewegungsverhalten auswirken können.
Das sind dann auch die Argumente für die Lockerungen. Die werden aber nur wirksam sein, wenn die Öffnungsschritte nicht wieder neue Brände entfachen.

Ich stand auf und klopfte mir den Dreck von den Klamotten.
Schluss mit ‚Klappe halten‘. Nett, aber bestimmt sagte ich der Dame, dass ich weder ihrer Meinung bin noch dass ich sie gutheiße. Ihre Ansichten sogar gefährlich finde.
Ich machte kehrt, nahm meinen Hund an die Seite und biss die Zähne zusammen. Meine Meinung zu sagen tat viel weniger weh, als mein Schienbein. Unverhohlen musste ich lächeln. Es tat sogar richtig gut. Schließlich ist Freiheit auch das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen. Artikel 11 der Charta der Grundrechte der EU – Freiheit der Meinungsäußerung.

Haltet durch. Eure Mandy
Und ein paar erholsame Osterfeiertage.

10 Kommentare

  1. Wow wow wow!!!!! Mal wieder absolut auf den Punkt gebracht! 👏👏👏👏👏👏👏👏👏

    Mir machen auch die Scharen von unsagbar dummen Leuten teilweise fast Angst, die in die TV Kamera stolz grölen „wir haben keine Lust mehr auf Corona ! Wir feiern jetzt ne dicke Party!!“ Und ähnliches.
    Und sie fühlen sich sooo cool dabei.

    Reicht das Wort DUMM dafür? Eher nicht. Asi ist besser. Gefährlich noch besser.

  2. Nach zig Jahren Ausbildung bei einem Chin. Arzt (mit Übersetzer) graute mir seit Dezember 2019 vor dem Virus. Kulturen müsste man studieren in bestimmten Ämtern. Sagt der Chin bei etwas negativem überhaupt was, dann nimm mal 100, wiederholt er es, dann nimm mal 1 000

    Das Virus bringt uns allen Demut bei.
    Demut vor der Natur und dem Leben.

    Und je länger wir die Augen verschließen, desto aktiver wird es.
    Ich habe mich im Beruf angesteckt, habe Antikörper und kämpfe mit den Nachwehen.

    Demut ist angesagt….

  3. Liebe Mandy, da wir Ostern haben, freue ich mich riesig über deinen tollen Osterhasen.
    Hast du ihn auch als Postkarte?
    Und ich danke dir für deine Sicht der Pandemie.
    Wir halten uns seit einem Jahr im engsten Kreis der Familie zusammen.
    Ich gehe täglich zwei Stunden Gassi. Bin Schnelleinkäuferin geworden, um nur die kürzeste Zeit unterwegs zu sein.
    Ich habe mir zu meinen Hobbys Lesen, Arbeiten, Gassi gehen, Haushalt, Garten und Mann und Eltern pflegen, jetzt wieder Kieser Training, noch Diamond painting zugelegt.
    Aufgrund meiner dicken Jahre kaufe ich Kleidung, Schuhe, Deko und u.v.m. überwiegend online ein.
    Ich mag keine Maske, trage sie, wo es sein muss. Vermeide unnötige Zusammenkünfte.
    Zum Impfen bin ich registriert und nehme die Impfung, die ich erhalten kann.
    Meine Eltern sind geimpft, mein Mann wartet noch auf Biontech aufgrund seines Krankheitszustandes.
    Unterschiedliche Meinungen sind wichtig und nötig. Reaktionen sind so individuell wie die Menschen.
    Ich wünsche uns Allen, dass wir diese harte Zeit der Veränderungen gut überstehen.
    Und erfreue mich weiterhin an deinen wunderschönen Texten und Malkünsten 😀👏

  4. Ich finds super wie du es der Frau gesagt hast. Nicht zu viel (ausführlich, rechtfertigend oder unsachlich) aber vor allem – nicht zu wenig👍🏻🙂

  5. Habe gerade den ganzen Blog gelesen: du hast absolut recht 👍
    Sag den Leuten die Meinung! Wenn es ein paar Leute hören und dadurch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kommen, hast du damit viel erreicht.
    Lg, @jane1068

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