MandysNotizBlog

‚Fettige Angelegenheiten‘ Teil V – die Leber

Zwei Nieren, eine Leber – Gott hat keine Ahnung vom Feiern

Hallo meine Lieben. Frei nach dem Motto: Heute schreibe ich mir alles von der Leber, geht es heute genau um diese. Denn ihr Anteil am Fettstoffwechsel ist ziemlich groß.
Lehrstunde an einem Sonntag? Schönen Dank auch. Ihr werdet es nicht bereuen.

Die Leber ist mein heimlicher Star. Deshalb hab ich kurz in meinem Oberstübchen gewühlt und ein wenig Prosa produziert:

Hommage an die Leber

Was wir täglich zu uns nehmen,
ohne uns dafür zu schämen,
in ‚ihr‘ landet ohne Termine,
in der ‚alten‘ Entgiftungsmaschine.

Prüfung auf den Giftgehalt,
ist die Leber eine Lichtgestalt.
Eine Fabrik im Leibe drinnen,
speichert Vitamine, lässt Blut gerinnen.

Ohne einen Leberhaken,
wird sie nur selten bei uns ‚Quaken‘.
Ohne Trubel und Gewese,
bringt sie Traubenzucker zur Synthese.

Wenn wir süßen Alkohol schlabbern,
fängt die Leber an zu klappern.
Gallensäureproduktion,
großer Teil der Verdauungsstation.

Speichert Glucose, bildet Hormone,
ein aktives Organ zweifelsohne.
Abbauen, Speichern, Regulieren,
weiß man auch ohne zu Studieren.

Ein unterschätztes Organ

Vermutlich weil sie so selten in Erscheinung tritt und das obwohl sie mit ca. 1,4 kg die größte Drüse ist, die wir haben. Das sie eher zu den ruhigen Organen gehört ist gut und erwünscht. Wenn man also nicht gerade einen Leberhaken einstecken musste, weiß man vermutlich nicht mehr über die Leber als das sie den Alkoholabbau macht und das sie braun ist.

Bei der Lagesituation wird es bei manchem schon brenzlig. Irgendwo im Bauch? Hiiiiiiiiier so, Richtung Mitte links, ach nee, rechts?

Navi: Die Leber liegt im rechten Oberbauch unter dem Zwerchfell (unter der Lunge) und schiebt sich mit ihrem linken Lappen kuschelnd über den Magen Richtung linken Oberbauch. In Frankfurt würde wir sagen: eine perfekte Lage. Wäre sie eine Wohnung, die Miete wäre astronomisch hoch.
Diese ‚perfekte‘ Lage braucht sie aber auch, sie ist nämlich DAS zentrale Stoffwechselorgan überhaupt und erfüllt täglich ein Arbeitspensum, dass uns die Ohren schlackern würden.
Schwärme ich zu viel? Ich glaub, ich hab schon Herzchen in den Augen.

Die Gallenblase gehört natürlich auch zu ihr. Sie versteckt sich an der Unterseite in einer kleinen Mulde und lugt nur zu einem ganz kleinen Teil hervor.

Klotzen statt Kleckern – ein paar Aufgaben der Leber

1. Kohlenhydratstoffwechsel

– Die Leber sorgt dafür, dass der Zuckerspiegel im Blut konstant bleibt. Steigt der Zuckerspiegel im Blut, beispielsweise nach einer Mahlzeit, nimmt die Leber die Glucose über die Pfortader auf und speichert sie als Glykogen. Soll der Blutzucker erhöht werden, baut die Leber Glykogen ab und gibt den Zucker an das Blut ab.

2. Eiweißstoffwechsel

– Aminosäuren aus der Nahrung werden von der Leber so umgewandelt, dass aus ihnen Energie gewonnen werden kann. Oder dass aus ihnen Fette oder Kohlenhydrate hergestellt werden können. Dabei entsteht giftiges Ammoniak.

3. Ammoniakstoffwechsel

– Leberzellen sind in der Lage giftiges Ammoniak zu viel ungiftigerem Harnstoff umzuwandeln. Der Harnstoff wird dann über die Niere ausgeschieden. Tschüss, Gift. Genial, oder?

4. Fettstoffwechsel

– Beim komplexen Fettstoffwechsel bauen die Leberzellen Fette (Fettsäuren) ab. Die Leberzellen ‚exportieren‘ das entstandene Produkt dann, so dass es bei den Empfängerzellen (z.B.: Muskelzelle) zum Energiegewinn weiter verwendet werden kann.

– Die Leber bildet aus Kohlenhydraten beispielsweise körpereigene Neutralfette, Gallensäuren und Cholesterin. Dieses Cholesterin ist Bestandteil von Zellmembranen und wird für den Aufbau von Hormonen und Gallensäure benötigt.

– Die Leber produziert im Schnitt 800-1000 ml Gallenflüssigkeit, die dann, erstmal in der Gallenblase angekommen, eingedickt und gespeichert wird. Die Galle hilft dabei Nahrungsfette zu spalten und aufzunehmen.

Fettlösliche Vitamine (Vit. E, D ,K, A) werden zu einem beachtlichen Anteil in der Leber (in den Ito-Zellen) gespeichert.

5. Speicherung

– Die Leber ist in der Lage unter anderem Eisen, Kupfer, Lipide, fettlösliche Vitamine, Vitamin B12 und Folsäure zu speichern. (Heilig’s Blechle!!! Kein Wunder, dass sie so viel wiegt)

6. Abwehrfunktion

– Hier übernimmt die Leber eine Art Filterfunktion für Fremdstoffe aus dem Darm. Fremdstoffe werden von Von-Kupffer-Sternzellen aufgenommen. Killerzellen sind ebenso an der Immunabwehr beteiligt. Darüber hinaus produziert die Leber eine ganze Reihe von Plasmaproteinen mit Abwehrfunktionen.

7. Gerinnung

– Zu diesen Plasmaproteinen gehören auch Gerinnungsfaktoren, die einen wichtigen Teil der Blutgerinnung darstellen. Ist die Funktion der Leber gestört, kann die Gerinnung dadurch gestört werden.

8. Biotransformation

– Über die Stoffwechselwege der Biotransformation verändert die Leber sowohl körpereigene (z.B.: Häm aus roten Blutkörperchen) und körperfremde Substanzen wie zum Beispiel Medikamente. So dass diese über die Gallenflüssigkeit und dem Urin ausgeschieden werden können.

Eine kleine Auswahl der Aufgaben, die unsere Leber Tag für Tag erledigt ohne das wir etwas davon mit bekommen. Zum Glück, ich bin schon vom Schreiben und Immer-wieder-Lesen ins Schwitzen geraten. Kaum auszudenken, das alles jeden Tag zu bewerkstelligen.

Wer mehr über den Abbau von Alkohol lesen möchte, einfach auf die folgende Überschrift klicken:

Alkoholabbau in der Leber

Und das war die Leber. Sympathisch, oder? So, jetzt muss sie aber auch weiter arbeiten. Keine Zeit zum Faulenzen. Autogramme gibt’s später.
Euch noch ein schönes Wochenende.
Bleibt gesund . . . eure Mandy

P.S.: Ich arbeite an dem Beitrag der Fettleber, versprochen.

Quellen:
Menche N. (Hg.) Biologie Anatomie Physiologie. München: Urban & Fischer/ Elsevier; 2012.
Pschyrembel W. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2017.
Schmidt R, Lang F, Heckmann M. Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie. Heidelberg: Springer; 2011.
Amboss miamed

4 Kommentare

  1. Danke, es ist so toll, wie gut verständlich du das alles immer erklärst. Du bist eine tolle Ärztin und Schriftstellerin!! Für mich wäre interessant zu wissen, was ich tun kann gegen einen viel zu hohen Gamma GT Wert. Ich lebe Zucker- und fettarm, habe Normalgewicht seit 3 Jahren, davor war ich Adipositas per Magma. Aber meine Leber will sich einfach nicht erholen.🤷‍♀️

  2. Fantastisch…was wir alles in uns haben, ohne den Wert überhaupt zu kennen…Dankeschön für die tolle otto-normal-verbrauchs-taugliche 😉

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