MandysNotizBlog

Mitarbeiter des Monats Dezember: Gallenblase & Gallenflüssigkeit

Jeder hat sie, aber fast keiner macht sich Gedanken über sie. Außer sie macht Probleme.
Trommelwirbel! Hier kommt die Gallenblase.
Der tosende Applaus bleibt aus. Warum? Was macht sie überhaupt? Und Ärzte sagen doch auch immer, man kann auch ohne sie leben. Warum sich die Hände wund klatschen?

Leber mit angekuschelter Galle

Zeit der Gallenblase und der Gallenflüssigkeit etwas Zeit zu widmen, denn gerade jetzt im Dezember haben beide alle Hände voll zu tun.

Die volkssprachliche ‚Jalle‘ – dein Freund und Helfer

Die Gallenflüssigkeit wird als dünnflüssiges Sekret in der Leber gebildet. 1200 ml am Tag. Jupp, das ist viel. Deshalb wird dieser großen Menge noch Wasser und Salze entzogen. Nun ist sie etwas dickflüssiger und fertig zum Speichern.

Eindicken und Speicherung sind Aufgaben der Gallenblase. Sie liegt ganz eng an die Leber gekuschelt unter dem rechten Rippenbogen. Im Schatten der großen Leber wird sie besonders wichtig, wenn wir mal wieder zu fettig gegessen haben.

Denn die Aufgabe der Gallenflüssigkeit ist unter anderem die Fettresorption im Dünndarm. Also die Aufnahme von überlebenswichtigen Fetten vom Darm in den Körper.

Gallengänge mit Ausführungsgang im Dünndarm

Jetzt kommt da also so ein richtig fettiger, vom Magen zerkleinerter, Spießbraten vom Weihnachtsmarkt angerutscht. Die Gallenblase zieht sich zusammen und drückt die Gallenflüssigkeit einen dünnen Gang entlang in den Zwölffingerdarm (Teil des Dünndarms).

NUR durch die Gallenflüssigkeit ist es uns möglich Fette aufzunehmen. Fett ist sooo wichtig für uns, natürlich nur in einer bestimmten Menge. Jetzt nicht gleich in ein Stück Butter beißen.

Zusammensetzung: Wasser, Gallensäuren, Farbstoffe und CHOLESTERIN.

Über die Entleerung der Galle reinigt sich der Körper auch von ‚Müll‚. Und das geht so:
Ist die Gallenflüssigkeit in den ersten Teil des Dünndarms abgegeben worden (dem Zwölffingerdarm), sorgt sie für die Fettspaltung und wird dann nach und nach im Dünndarm wieder aufgenommen.

Die Wiederaufnahme passiert mit 98% der Gallenflüssigkeit.

Unser Körper steckt nämlich noch in der Steinzeit fest. Cholesterin ist für ihn überlebenswichtig. Früher ein wertvolles Gut, heute zu viel im Essen. Hormone und Galle werden unter anderem daraus gemacht. Bekommt unser Körper Cholesterin in die Hände, behält er so viel wie möglich. Er merkt nicht unbedingt, wann es zu viel ist.

Heutzutage nehmen wir genau so viel zu viel Cholesterin zu uns. Und das muss raus. Genau das passiert über diese 2% der Gallenflüssigkeit, die nicht resorbiert, sondern mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Mehr Cholesterin loswerden

Durch gezielte Ernährung können wir übrigens versuchen, etwas mehr Cholesterin auszuscheiden. Faserreiche Lebensmittel (Obst, Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte, Haferflocken) schaffen so was. Die Fasern binden einen Teil der Gallenflüssigkeit und verhindern so eine Wiederaufnahme im Dünndarm. Cholesterin adè.

Keine Angst, der Körper kann Cholesterin auch selbst nachbilden, sollten wir durch eine vegane Ernährung oder Fasten oder Diäten mal zu wenig Cholesterin aufnehmen.

Manchmal bekommt man allein durch Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme zu hohe Cholesterinwerte nicht in den Griff. Hier empfiehlt sich der Gang zum Arzt, der dann durch Medikamente für eine Senkung des Cholesterins sorgt.

Denn hohes Cholesterin ist und bleibt ein Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen!!!

Gallensteine – kleine fiese Quälgeister

Gallenblase mit Steinen

Gallensteine sind in vielerlei Hinsicht sehr interessant.
Erstmal, wie entstehen die lästigen kleinen Dinger?
Haltet euch fest: Wir sind leider selbst dran schuld. Natürlich! Wer auch sonst.

Gallensteine sind das Ergebnis unserer Lebensweise.
Einerseits entstehen sie leichter durch Bewegungsmangel und Übergewicht. Oh man, ich bin in beidem echt gut.

ABER: sie entstehen auch durch Diäten. Richtig gehört.

Die Galle wird bei normaler Ernährung regelmäßig entleert, denn Fett ist meist bei allen Mahlzeiten dabei. In Form von Ölen, in Fleisch, Soße, Wurst, Käse, Ei . . .

Auf was verzichtet man als erstes bei Diäten? Genau. Auf die ‚bösen‘ Fette.

Dadurch wird die Gallenflüssigkeit nicht mehr regelmäßig aus der Gallenblase raus gedrückt, bleibt darin, dickt immer mehr ein, die Zusammensetzung (z.B.: zu viel Cholesterin) ändert sich, Kristalle bilden sich, die immer größer und zu Steinen werden und sich in der Gallenblase sammeln.

Sind sie klein, rutschen sie aus der Gallenblase heraus in den Gallengang und können dann ziemlich starke Schmerzen verursachen. Denn die Gallenflüssigkeit kann die Blase nicht verlassen, steckt erst einmal ein Stein im Gang fest. Die Galle entzündet sich, macht unheimliche Schmerzen und muss raus.

Die Uni Aachen hat heraus gefunden, dass wenn man mehr als 7 kg im Monat abnimmt, das Risiko um 50% steigt, an Gallensteinen zu erkranken.

Durch andere Studien wurde bewiesen, dass regelmäßige Bewegung die Bildung von Kristallen verhindert.

Hier nochmal die Risikofaktoren für Gallensteine: Die 6 ‚f‘

  • female (weiblich)
  • fat (übergewichtig)
  • fertile (fruchtbar, viele Kinder)
  • forty (über 40 Jahre alt)
  • fair (hellhaarig)
  • family (familiäre Veranlagung)

Tschüss, Gallenblase

Die Gallenblase hat uns so viele Probleme gemacht, dass sie raus genommen wurde. Und nun?
Was war noch gleich ihre Aufgabe? Ach ja, Auffangbecken und Eindickung.

Hier wird ein Clip gesetzt und die Galle abgetrennt – Tschüss Gallenblase. Der ‚Hauptgang‘ bleibt bestehen.

Haben wir überhaupt noch Gallenflüssigkeit? Ja, denn sie wird ja in der Leber gebildet. Was bei der OP entfernt wurde, war ‚lediglich‘ die Gallenblase.

Es gibt also noch einen Verbindungsgang zwischen Leber und Dünndarm. Über diesen läuft die nun etwas flüssige Galle. Kontinuierlich, leider. Denn wenn wir jetzt etwas Fettiges essen, wird es nicht mehr schön mit einmal aus der Gallenblase abgegeben, sondern wir müssen mit der Gallenflüssigkeit auskommen, die die Leber zur Verfügung stellt. Und das ist nun oft zu wenig für eine Mahlzeit. Die möglichen Folgen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall.

Der Körper gewöhnt sich recht schnell an diese Umstellung und meckert nur dann, wenn wir wirklich viel Fett mit einmal konsumieren. Wie jetzt an Weihnachten.

Danken wir ganz kurz unserer Gallenblase und der Gallenflüssigkeit für ihre guten Dienste und dass sie Plätzchen und Braten immer schön aufspalten.

Euch eine wunderschöne Weihnachtszeit.
Bleibt gesund, eure Mandy

5 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen wieder hochinteressanten Text. Hat noch kein Verlag bei dir angefragt? Kann ich mir gar nicht vorstellen, so toll, wie du immer schreibst!

  2. Wie immer sehr anschaulich erklärt Vielen Dank. Nur Mist, hätte ich das nur schon viel früher gewusst. Ich habe mit WW gut abgenommen, aber letztes Jahr im Februar musste meine Gallenblase entfernt werden, weil ein 3 cm größer Stein Schmerzen verursachte. Und nun habe ich alle zwei Wochen Durchfall. Magen-Darm-Spiegelung brachte keine Erkenntniss. Aber vermutlich ist es die fehlende Gallenblase.

  3. Hallo Mandy,
    da bin ich mal wieder eine der vielen Ausnahmen 🙂 . Ich hatte schon mit 12 Gallensteine und diese wurden dann mit 14 rausgenommen. 2 Jahre haben die Ärzte gebraucht um dies festzustellen, da es bei Kindern seeeeehr selten ist und man alles andere zu erst ausschließt. aber die Schmerzen bis dahin unerträglich.
    Liebe Grüße

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